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Rückblick: 2. Netzwerktagung für digitale berufliche Bildung

Am 09.03.2022 fand die 2. virtuelle Netzwerktagung für Bildungsinteressierte zum Thema „digitale berufliche Bildung“ statt. Sie knüpfte an die erste Netzwerktagung vom November 2021 zu „Digitalgestützter Bildung im Kontext einer innovativen Arbeitswelt“ an. Auch diesmal gab es viel zu entdecken, Impulse und Raum für Austausch.

Am 09.03.2022 fand die 2. virtuelle Netzwerktagung für Bildungsinteressierte zum Thema „digitale berufliche Bildung“ statt. Sie knüpfte an die erste Netzwerktagung vom November 2021 zu „Digitalgestützter Bildung im Kontext einer innovativen Arbeitswelt“ an. Auch diesmal gab es viel zu entdecken, Impulse und Raum für Austausch. r

Bei Fachvorträgen zu sich in der Endphase befindenden Projekten und zwei Diskussionsforen zur Akzeptanz und Nachhaltigkeit sowie zur Weiterbildungsarchitektur tauschten sich die über 80 Teilnehmenden aus dem gesamten Bundesgebiet aus und nutzten die Gelegenheit, sich zu vernetzen.

Los ging es mit dem Fachvortrag zum Thema „Handwerk lernt auch digital“. Frank Deckert (TU Dresden) und Hilke Domsch (GKZ) berichteten von CompO – CNC kompakt online lernen. Das Projektteam musste bei den Mitarbeitenden des Handwerks erst einmal Überzeugungsarbeit leisten. Oft bekamen sie zu hören, „das ist nicht wie bei uns“, „das sind nicht unsere Maschinen“, „das ist nicht unsere Software“ und vor allem „online geht so was doch gar nicht“. Aber mit Geduld ging es dann doch. Das orts- und zeitunabhängige Lernen, die digitalen Lerntreffen mit den Lehrpersonen in Kombination mit den Praxisphasen überzeugten die Teilnehmenden dann doch – zumindest die, die eine hohe intrinsische Motivation aufwiesen und den persönlichen Mehrwert für sich erkannt hatten.

Um die Akzeptanz des digitalen Wissenstransfer ging es im nächsten Fachvortrag von Laura Mehner der TU Braunschweig. Im Projekt IN-DIG-O zeigte sich wieder einmal, wie wichtig es ist, dass der Wissenstransfer von den Führungskräften begleitet und unterstützt wird. Die Möglichkeit, neues Wissen auch praktisch umsetzen zu dürfen, ist essenziell dafür, dass Wissenstransfer funktioniert. So wird verhindert, dass Weiterbildung nur als „notwendiges Übel“ oder „vergeudete Zeit“ von den Mitarbeitenden angesehen wird. Außerdem kann sich das Unternehmen weiterentwickeln und seine Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Dies alles funktioniert aber nur mit einer entsprechende Weiterbildungskultur im Unternehmen, die von allen gelebt wird.

Nach einer Pause fanden sich die Teilnehmenden in zwei Diskussionsforen wieder. Eines wurden durch Prof. Michael Uhlmann von der ATB gGmbH als Vertreter des Zentrums digitale Arbeit (ZdA) begleitet. Der Impuls selbst kam von Volkmar Lehnert vom VSBI zum Thema „Entwicklung einer zentralen Weiterbildungsstruktur“. Er stellte in seinem Impuls die Situation mit Aktivitäten auf Bundes- und Landesebene vor. Dabei verwies er auf die bereits 2020 vom BMAS angekündigte Nationalen-Online-Weiterbildungsplattform NOW. Sie wurde entwickelt, um relevante Informationen sowie Angebote zu bündeln und einfach nutzbar zu machen. Außerdem ging er auf die Plattformen des Bildungsmarkt Sachsens vom SMWA, dem Marktplatz der Bildung der Agentur für Arbeit Bautzen sowie Kurs-Net der Bundesagentur ein.

Darüber hinaus soll mit dem im Jahr 2020 gestarteten BMBF-Innovationswettbewerb INVITE (Digitale Plattform berufliche Weiterbildung) ein Beitrag zur Optimierung eines innovativen digitalen und sicheren Bildungsraums der berufsbezogenen Weiterbildung geleistet werden. Mit INVITE wird u.a. die Verbesserung der Kohärenz im digitalen Weiterbildungsraum für eine breite Zielgruppe durch die Vernetzung von Weiterbildungsplattformen als Handlungsbedarf der Nationalen Weiterbildungsstrategie aufgegriffen.

Neben diesen Plattformen gab es aber auch spannende Lernmanagementsysteme (LMS) zu entdecken. Weiter.Digital und ZAQS haben in den letzten Monaten mehrere niedrigschwelle LMS konstruiert, die vor allem Kleinst- und Kleinunternehmen und deren Mitarbeitende beim nachhaltigen Lernen unterstützen.

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden darüber, ob eine zentrale Weiterbildungsstruktur sinnvoller ist als eine Vielzahl regionaler Plattformen und welche Erfahrungen die Teilnehmenden mit aufeinander aufbauenden beruflichen Bildungsbausteinen und deren (vielleicht) zunehmender Digitalisierung gemacht haben. Eine Teilnehmerin wies darauf hin, dass es aktuell zu viele Plattformen gäbe und sich hier eine Zentralisierung mit regionalen Auswahlmöglichkeiten anbieten würde. Besonders mit Blick auf die derzeit rund 40 bundesweit verteilten Weiterbildungsverbünde, von denen die meisten ebenfalls eine derartige Plattform erstellen wollen. Gerade hier sollte das Ministerium seine Strategie überdenken und die Projektträger eher dazu anhalten, auf bereits bestehenden Plattformen aufzubauen. Viele der Teilnehmenden bekräftigten ihre Ausführungen.

Hervorgehoben wurde die Notwendigkeit, Projektergebnisse aus laufenden und abgeschlossenen Bundes- und Landesvorhaben mit entwickelten digitalen Lerninhalten und -methoden nachhaltig zu sichern. Sowohl der Aufbau von Plattformlösungen als auch die Entwicklung von entsprechenden Standards für digitale Lernbausteine könnten hier Lösungsansätze darstellen.

Letztendlich lässt dies die Einschätzung zu, dass es trotz der Vielzahl an Initiativen aktuell (noch) keinen zur Verfügung stehenden Lösungsansatz gibt. Bezeichnenderweise hat der angebotsorientierte Bildungsmarkt Sachsen zum 31.12.2021 seinen Dienst eingestellt. Damit stehen kleine und mittlere Unternehmen, die in den allermeisten Fällen adressierte Zielgruppe, vor der großen Herausforderung aus der Vielzahl der unterschiedlichen Angebote das für sie passende zu finden. Hier können ggf. die regionalen Zukunftszentren bei der Anforderungsdefinition und der gezielten Suche nach Bildungsangeboten Unterstützung leisten.    

Diese und weitere spannende Diskussionen sollen im November beider 3. Netzwerktagung fortgesetzt werden. Den 23.11.2022 können Sie sich also schon einmal im Kalender anstreichen.